Elf Monate stand meine BMW R 1200 GS Rallye. Elf Monate. Eine Schande, ehrlich gesagt. Also hab ich nach einem freien Slot gesucht, in dem ich mal von Freitag bis Montag verschwinden kann, und bin fündig geworden: 11. bis 14.09. Gleich noch 14 Überstunden mit abgebaut, was auch dringend nötig war. Kurzentschlossen, solo, ohne großes Programm – einfach mal wieder fahren.
Die Bettensuche
Die Unterkunft hat sich als der schwierigste Teil der Planung entpuppt. Es ist noch Hochsaison, entsprechend war einiges schon ausgebucht. Am Ende bin ich beim Landgasthaus Langeck im Münstertal gelandet – und das war ein Volltreffer. Sehr gut geführt, alle sehr nett und freundlich, und als Ausgangspunkt für Tagestouren genau richtig gelegen.
Freitag – Anfahrt
Auf der Autobahn ging's bis Bühl, knapp zwei Stunden. Stures Geradeausfahren, aber immerhin die schnelle Art, die Distanz aus dem Weg zu räumen. Runter von der Autobahn, kurze Pause und ab da nur noch Landstraße. Von Bühl aus ging es auf kleinen, kurvigen Nebenstraßen quer durch den mittleren Schwarzwald nach Süden, immer wieder rauf und runter durch dichte Nadelwälder, mit Blicken ins Tal, sobald sich die Bäume mal lichteten. Kein Verkehr, keine Eile, einfach fahren und ankommen lassen. Fantastisches Wetter, tolle Gegend – genau der Übergang vom Alltag in den Urlaubsmodus, den man nach elf Monaten Standzeit braucht. Am späten Nachmittag dann in Münstertal angekommen, eingecheckt und den ersten Abend einfach nur ankommen lassen.
Samstag – Südschwarzwald
Der erste volle Tag ging in den Südschwarzwald, mit dem Landgasthaus als festem Ausgangs- und Endpunkt – eine große Schleife, viel Kurven, ein paar klare Ziele dazwischen.
Erste Etappe ging runter Richtung Schluchsee, dem größten See im Schwarzwald. Von dort eine Schlaufe weiter nach Osten, Richtung Bonndorf, mit ordentlich Schräglage auf den Nebenstraßen, bevor es zurück an den See ging – Stopp an der Staumauer bei Seebrugg. Die Mauer staut den See auf seine heutige Größe auf und ist selbst schon sehenswert – dicker Betonriegel, dahinter die ruhige Wasserfläche, davor ein paar Segelboote. Guter Platz für eine Pause und ein Foto.
Weiter ging's dann nach St. Blasien. Bekannt ist der Ort wegen seines Doms – einer riesigen klassizistischen Kuppelkirche aus dem 18. Jahrhundert, deren Kuppel zu den größten in Europa zählt. Man sieht sie schon von Weitem zwischen den Hügeln aufragen, und aus der Nähe wirkt sie noch imposanter, als man vom Tal aus vermutet. Kurzer Stopp, ein paar Fotos, weiter ging's.
Letzte Station auf dem Papier war Titisee, der bekannteste See der Region. Angehalten hab ich da aber nicht – komplett touristisch überlaufen, Busse, Menschenmassen, Souvenirbuden ohne Ende. Einmal durchgefahren und weitergezogen, völlig überbewertet der Laden. Von dort ging's dann über kurvige Nebenstraßen zurück nach Münstertal. Genau das Programm, das ich wollte: Kurven, Wald, Wasser, Pause, weiter – Titisee ausgenommen.
Sonntag – Grenzübertritt in die Vogesen
Sonntag ging's dann nach Westen, rüber nach Frankreich. Über Staufen im Breisgau und Bad Krozingen an den Rhein, bei Breisach am Rhein rüber ins Elsass, weiter nach Colmar und Munster im Elsass. Von dort geht's bergauf zum Col de la Schlucht, einem der bekannten Vogesenpässe, weiter über den Grand Ballon – mit 1424 Metern der höchste Punkt der Vogesen – und den Col du Markstein. Zurück ging's über Neuenburg am Rhein und Müllheim.
Muss man ehrlich dazusagen: Bis man wirklich mittendrin in den Vogesen ist, sind erstmal anderthalb Stunden reine Anfahrt fällig. Das drückt ein bisschen die Bilanz. Dafür war einiges los auf den Pässen – kein Wunder bei dem Wetter, das wieder prima war – aber die Runde als Ganzes war trotzdem richtig gut.
Montag – Heimfahrt über die Schwarzwaldhochstraße
Während die Kollegen wieder im Büro saßen, hab ich mir in Ruhe Zeit gelassen – ich baue schließlich Überstunden ab, nicht Stress auf. Ausgeschlafen, ausgiebig gefrühstückt, kurz nach zehn war ich dann abfahrtbereit. Nachts hatte es geregnet, und das Moped stand die ganze Zeit im Freien. Naja, GS, die muss das abkönnen. Die Straßen waren entsprechend noch nicht ganz trocken, würde sagen so achtzig Prozent.
Die Rückfahrt bis Bühl war exakt die Strecke vom Freitag, nur umgekehrt: über Waldkirch und Hausach nach Freudenstadt, von dort über den Kniebis und weiter über Ruhestein und Mummelsee auf der Schwarzwaldhochstraße. Schöne Strecke, hab nochmal ausgiebig Kurven gefahren – gut dreieinhalb Stunden bis Bühl. Dort dann Kaffee und ein Schokomuffin, und ab auf die Autobahn für die letzten gut 150 Kilometer, über Karlsruhe und Landau. War alles frei, bin gut durchgekommen. Gegen 16:30 Uhr war ich dann zuhause.
Insgesamt eine richtig schöne Tour Mitte September, und richtig Glück gehabt mit Wetter und Unterkunft. Vier Tage, drei Übernachtungen, jede Menge Kurven und eine GS, die es definitiv verdient hatte, mal wieder bewegt zu werden. Zum Andenken gibt's jetzt sogar ein eigenes Patch für die Tour.
Bleibt die Frage, was als Nächstes kommt. Nächstes Jahr wiederholen? Oder doch mal ins Elsass, dann aber richtig? Oder die extrem lange Anreise in die Sächsische Schweiz wagen? Mal sehen. Nächstes Mal dauert's hoffentlich jedenfalls nicht wieder elf Monate, bis die GS wieder raus darf.


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